Verlagerung der Erfahrungswelt

[...]  Die sich rasch verändernde Medienrealität der achtziger Jahre hat sie genauso wenig unberührt gelassen, wie die generellen Reflexionen über Bild, Bilder, Bildwelten. [...] Ihr künstlerischer Ansatz wurde immer präziser auf jenen Punkt gebracht, von dem aus deutlich festzustellen war, was die Umgebungs–Bilderwelt heute ausmacht. Ohne dass nun lineare Programme abgespult werden – das trifft auch auf diese sehr konzentrierte Ausstellung nicht zu – stehen exemplarisch alltägliche “Netzhautreizungen”, freigeschaufelt aus den Verstrickungen des übrigen visuellen Strandguts zur künstlerischen Disposition. Nicht von der künstlerischen Gestalt, wohl aber von der Wertigkeit macht es kaum einen Unterschied, ob Tapetenmuster, Zeitungen, Dosenaufkleber als Bildinformation vor Augen gestanden haben. Fern jeder Ironie oder jedes Zynismus über die Trivialität des “Sprachmaterials” wird dieses als beredte input– Information verwendet. Der weitere Akt der Umsetzung in digitalisierte Bilder versteht sich als künstlerischer Verarbeitungsmechanismus, der der Bilderflut in adäquater Weise gegenübertritt, sie auf ihre formalen Qualitäten, vor allem aber auf die des Transportmittels hin abtastet und dann als “Rohmaterial” dem malerischen Vollzug zur Verfügung stellt. Die Feststellung, dass es sich dabei um “andere Bilder” handelt, erübrigt sich. [...] So verweist allein schon ihr körperhaftes Ausmaß – in der Raummitte postiert – auf eine andere Präsenz als die eines noch so großen an der Wand präsentierten “Tafelbildes”. Die verwendete Leuchtfarbe unterstreicht den signalhaften Charakter des Bildwerks, ist zugleich aber auch dafür verantwortlich, dass die Werke zwei unterschiedliche “Lesarten” aufweisen: die eine bei Licht, die andere im Dunkel. Mit den Lesarten reflektieren Horáková + Maurer auf visueller wie auf intellektueller Basis real und metaphorisch wesentliche Grundbedingungen unserer Aneignung von Wirklichkeit [...]

Werner Fenz

(In:  Horáková + Maurer, 2RUN, Künstlerbuch zur gleichnahmigen Ausstellung, Neue Galerie am Landesmuseum Joanneum, Graz 1988)